Ruck Zuck

In diesem Tutorial zeigen wir euch, wie ihr mit einem iPad und dem Apogee One mobil recorden könnt. Dank des Audiointerfaces und voller Akkus bzw. Batterien kommen wir sogar ohne Steckdose aus.

Letztendlich will nahezu jeder ambitionierte Musiker seine Songs für sich und/oder seine Fans festhalten. Die Klangqualität darf in aller Regel und selbstverständlich außerordentlich gut sein, ohne allzu komplexe Setups einrichten zu müssen. Wie ihr euch vermutlich denken könnt, ist nicht in jeder Situation ein vollausgestattetes Tonstudio notwendig. Insbesondere wenn ihr mobil recorden wollt, müsst ihr in der Regel Kompromisse eingehen, was es Platz, Gewicht und der reinen Menge an Material angeht.

Mobil Recorden einfach gemacht

Wenn ihr eine Idee festhalten oder ein erstes Demo produzieren wollt, dann reicht eigentlich schon eine simple Lösung bestehend aus Mikrofon und DAW ((Digital Audio Workstation)) vollkommen aus. Was früher mit einem einfachen Taperekorder erledigt wurde, kann man heutzutage ganz trendy mit iPad umsetzen – und zwar mit interessanten und nützlichen Zusatzfunktionen.

Doch der Reihe nach: Vorgesehen ist für dieses Tutorial, dass ich als Bandmitglied ein schlankes und einfach zu bedienendes Recordingsetup vorstelle, eine Songidee aufnehme, abmische und diesen dann den Bandmitgliedern online zur Verfügung stelle und in diesem Fall auf der On-Axis-Webseite einbinde. Damit es so wenig wie möglich Ablenkung gibt, habe ich mich daher für folgende Komponenten entschieden:

  • Apple iPad 2
  • Apogee One (im Akkubetrieb)
  • Steinberg Cubasis
  • Beyerdynamic DT 770 Pro

Mit diesem Setup werde ich folgende Signale aufnehmen:

  • Drums (MIDI)
  • E-Bass
  • Akustikgitarre (Rhythmus)
  • Gesang (Lead)
  • Gesang (Backing — gedoppelt auf zwei Spuren)

Abgesehen von der Gitarre und dem Bass passt das komplette Recordingsetup in eine herkömmliche Umhängetasche. Mit mobilen Recordern von Zoom, Olympus, Yamaha, Tascam und wie sie alle heißen, gibt es zwar kleinere Lösungen aber nicht mit den Möglichkeiten die ein iPad mit sich bringt. Zumindest kenne ich sonst keinen Minirecorder mit ordentlichen Mikros UND der Möglichkeit, das Ergebnis direkt ins Internet hochzuladen.

Apogee One

Das Apogee One lässt sich vielseitig einsetzen. Das männerhandgroße Audiointerface wird mit einer Kabelpeitsche (für die externen Ein- und Ausgänge), USB-Kabeln, Stativhalterung, Netzteil und einer Schnellstart-Anleitung ausgestattet. Batterien oder Akkus sind nicht im Lieferumfang enthalten.

Einfacher und intuitiver geht es fast nicht mehr, da die Bedienung lediglich am großen Drehregler stattfindet. Voreinstellungen werden jedoch über die Maestro-App vorgenommen
Einfacher und intuitiver geht es fast nicht mehr, da die Bedienung lediglich am großen Drehregler stattfindet. Voreinstellungen werden jedoch über die Maestro-App vorgenommen

Als einziges Bedienelement findet man zentral platziert den großen Drehregler. Damit lässt sich das Apogee One intuitiv bedienen. Ob das wohl einer der Gründe ist, warum Apple und Apogee so partnerschaftlich agieren? Das Apogee One lässt sich nämlich nur mit Mac OSX oder iOS verwenden; Windows-Systeme müssen hier leider draußen bleiben 🙂

Bevor wir aber recorden können, müssen wir zunächst die kostenlose Maestro-App aus dem App-Store downloaden und installieren. Ob ihr jetzt Garage Band, Cubasis oder eine andere Recordinglösung verwendet, bleibt euch überlassen. Ich habe aber sehr gute Erfahrungen mit Cubasis aus dem Hause Steinberg gesammelt. Letztendlich bietet die App viele nützliche Möglichkeiten auf die ich jetzt nicht alle eingehe. Aber eine – für mich – sehr wichtige Funktion ist, das Projekt anschließend in Cubase (und in meinem Fall) auf dem MacBook zu bearbeiten.

Nicht jede Batterie ist geeignet

Wir wollen steckdosenunabhängig recorden und setzen daher zwei Mignon-Batterien (die Billigen aus dem 1-Euro-Shop) ein. Und siehe da, wir sehen nichts. Die Lichter am Apogee One flackern gelegentlich auf und das war es. Das Audiointerface wird nicht erkannt.

Da fällt mir ein, dass ich mit günstigen 9-Volt-Blocks in meinem IEM-System für die Bühne eine ähnliche Erfahrung sammeln durfte; mit dem Nachteil, dass damals die Batterie erst nach ca. 10 Minuten (also mitten im zweiten Song) während des Gigs ausgefallen ist – natürlich ohne Wedge oder sonstigen Bühnenmonitor. Verärgert bin ich darauf zum Händler gefahren, da er ja schließlich verantwortlich ist, wenn ich mein neues Setup nicht vor dem Gig überprüft habe 😉

Nein, Spaß beiseite: Den Händler habe ich zwar besucht aber alles im normalen freundlichen Umgang. Er meinte, dass es am Batterietyp liegen könne und er mir daher zu Marken-Alkalie-Batterien rät. Das Ende der Geschichte: Die Vermutung des Händlers war richtig und ich hatte nie wieder Energieprobleme 🙂 So jetzt aber wieder zurück zum eigentlichen Thema: „Mobil recorden“.

Apogees One lässt sich auch mit Akkus (in diesem Fall von Monacor mit 1,2 V & 2.800 mAh) betreiben
Apogees One lässt sich auch mit Akkus (in diesem Fall von Monacor mit 1,2 V & 2.800 mAh) betreiben

Mit diesem Wissen habe ich also zwei Marken-Alkalie-Batterien eingesetzt und – et Voilá – alles funktioniert bestens. Jedoch habe ich aus Umweltschutz- und Budgetgründen Akkus von Monacor verwendet. Auch wenn diese etwas weniger Spannung haben als gute Batterien, funktionierte auch dies tadellos. Ich werde übrigens zu gegebener Zeit einen Beitrag erstellen, indem ich die Monacor-Akkus Marken-Alkalie-Batterien von Panasonic gegenüberstelle. Ach ja: Wenn ihr nicht auf externe Mikrofone zurückgreift und auch keine Monitore anschließt, benötigt ihr die Kabelpeitsche nicht. Denn im Interface integriert ist ein 3,5-mm-Klinkenanschluss für die Kopfhörer und das integrierte Kondensatormikrofon fängt zuverlässig alle Instrumente ein.

Damit ihr seht wie einfach und schnell mobil recorden gehen kann, setzen wir uns ein sportliches Ziel: Wir wollen die Songidee dieses Tutorials in unter 60 Minuten im Kasten und grob abgemischt haben. Also lasst uns einen Blick auf die Uhr werfen, die Zeit stoppen und loslegen 🙂

Step by Step

  1. Wir schließen das Apogee One (mit den vollen Akkus) an das iPad an und erkennen an dem dauerhaft leuchtenden Lautsprechersymbol, dass es funktioniert. Die Kabelpeitsche benötigen wir wegen der Aufnahme des E-Basses. Über die Maestro-App lässt sich nun das Eingangssignal überprüfen bzw. selektieren. In unserem Fall können wir alles belassen wie es ist, denn auf Kanal 1 ist als Standard das interne Mikro eingestellt und auf Kanal 2 (dem Instrumenteneingang) gibt es keine Auswahlmöglichkeit – also genau das, was wir brauchen.
  2. Ich starte nun Steinberg Cubasis und erstelle ein neues, leeres Projekt.
  3. Danach stelle ich das Tempo (für den Beispielsong) auf 90 BPM ein. Da als Standard der 4/4-Takt eingestellt ist, lasse ich diesen so.
  4. Nun richte ich alle geplanten Spuren ein und benenne sie sinnvoll für ein übersichtliches Arbeiten. Zum Umbenennen muss ich lediglich den betreffenden Kanal anwählen und links den ersten Navigationsreiter antippen. Für die Drums habt ihr die Wahl: entweder wählt ihr eine MIDI-Spur und das gewünschte Drumset, dann seid ihr aber nicht mehr so flexibel, bei der Bearbeitung der einzelnen Drumsounds im Mix. Oder ihr wählt für jedes (Drum-)Instrument einen eigenen MIDI-Kanal und spielt nach und nach die einzelnen Spuren ein. Wenn euch so das Feeling verloren geht, könnt ihr auch alles in eine Spur aufnehmen und später die einzelnen Beats eines jeweiligen Instruments auswählen, kopieren und in eine neue Spur einfügen. Danach einfach nur noch den Spurnamen eintippen. Damit sind alle vorbereitenden Schritte abgeschlossen.
  5. Für Mikrofonsignale im Apogee One müsst ihr Input 1 und für Instrumentensignale Input 2 wählen
    Für Mikrofonsignale im Apogee One müsst ihr Input 1 und für Instrumentensignale Input 2 wählen

    Ach ja: Wenn ihr eine neue Audiospur anlegt, ist automatisch Kanal 1 des Apogee One selektiert. Für die E-Bass-Spur tippe ich auf „Routing“ und wähle Kanal 2.

  6. Nun haben wir die Wahl: entweder spiele ich nun die Drums in Echtzeit über die Pad-Funktion ein oder wir zeichnen sie im MIDI-Editor ein. Da es im aktuellen Projekt nur um eine Skizze für die Band geht, spiele ich den Rhythmus schnell ein und quantisiere die Spur anschließend. Rhythmische Raffinesse darf jetzt nicht erwartet werden, da ja der Schlagzeuger der Band sein eigenes Spiel einbringen soll und daher nur so wenig wie möglich beeinflusst werden soll.
 Vergesst nicht, das Metronom zu aktivieren.
  7. Damit ich beim Aufnehmen einen ausgewogenen Mix habe, passe ich nach jeder neuen aufgenommenen Spur die Lautstärke grob an.
  8. Als nächsten Schritt tippe ich die Bassspur an um sie auszuwählen. Die Spur ist auch sofort aufnahmebereit — insofern der Bass angeschlossen ist. Wenn die Spur im Kasten ist und ich sie abhören will, muss das Lautsprechersymbol wieder deaktiviert werden. Diesen Arbeitsablauf wiederhole ich nun für alle benötigten Signale.
  9. Da wir eine Stereodatei als finale Datei anstreben, verteile ich die einzelnen Signale im Panoramafeld, um Platz für die Stimme zu schaffen. Ich lege in meinem Fall die Rhythmusgitarre etwas nach rechts und die Picking Gitarre nach etwas nach links.
  10. Nun nehme ich die Lead Vocals auf: Hier gibt es keine Besonderheit, auf die ich näher eingehen müsste. Beim Gesang ist es wichtig, dass die zu vermittelnden Emotionen auch authentisch rüberkommen. Also stellt euch am Besten vor, wie ihr eine oder mehrere Personen direkt ansingt. Wenn eure Fantasie nicht ausreicht, hilft manchmal auch ein Poster als visuelle Unterstützung, das ihr ansingt.
  11. Bei den Backing Vocals werde ich für etwas mehr Breite sorgen, indem ich die Phrase ein zweites Mal einsinge und eine Spur nach links und eine nach rechts lege.
  12. Für die Leadvocals-Spur habe ich via Lowcut die tiefen Frequenzen entfernt, etwas die tiefen Mitten herausgenommen und die Höhen großzügig angehoben
    Für die Leadvocals-Spur habe ich via Lowcut die tiefen Frequenzen entfernt, etwas die tiefen Mitten herausgenommen und die Höhen großzügig angehoben

    Nun entzerre ich die einzelnen Signale etwas, damit der Song schön aufgeräumt klingt. Wobei ich sagen muss, dass ich hier hauptsächlich einen Low Cut ansetze um nicht hörbare bzw. nicht benötigte Frequenzbereiche auszublenden. Und zudem suche ich noch unangenehme Resonanzen, die ich herausfiltere. Somit klingt der Mix kompakter und transparenter. Wobei ich hier auch das integrierte Kondensatormikrofon des Apogee One loben muss. Es erzeugt einen sehr hellen und präsenten Klang. Damit lässt sich ein Signal sehr gut in den Mix integrieren. Im Vergleich zu externen (Großmembran-)Mikros mag vielleicht etwas die Wärme fehlen, das spielt aber meiner Meinung nach nur eine untergeordnete Rolle, für den angedachten Einsatz.

  13. Bevor es jetzt an die finale Mischung geht, überprüfe ich die einzelnen Lautstärken der Spuren, ob sie auch im Verhältnis zueinander passen. Falls grobe Lautstärkesprünge (innerhalb einer Spur) notwendig sind, zeichne ich diese im Editor schon ein.
  14. Die Attack- und Release-Parameter des Cubasis-Kompressors werden über Prozentwerte eingestellt
    Die Attack- und Release-Parameter des Cubasis-Kompressors werden über Prozentwerte eingestellt

    Bei einigen Spuren wie Drums, Bass und Stimme insertiere ich noch einen Kompressor, wobei das mit den Bordmitteln von Cubasis etwas verwirrend gelöst ist. Man stellt bei Attack und Release nämlich Prozentwerte und keine Zeitwerte ein. Mir persönlich ist das zu kryptisch, da ich nicht weiß ob ich in die richtige Richtung regle. Ich verlasse mich hierbei auf mein Gehör und stelle alles nach Gefühl ein. Das geht letztendlich schon aber sicherer würde ich mich mit den bekannten Parametern fühlen.

  15. Damit die einzelnen Signale zusammengekittet werden, setze ich ganz dezent und subtil einen Reverb auf die einzelnen Spuren. Ich will ihn eher fühlen als hören. Wobei: Bei den Stimmen lasse ich ihn etwas stärker zur Geltung kommen. Damit der Hall sich vom Hauptsignal löst, stelle ich eine recht hohe Predelay-Zeit von über 200 ms ein.
  16. Bevor wir die Songidee als Stereodatei speichern, überprüfe ich nochmals die Lautstärkenverhältnisse der einzelnen Spuren und passe sie gegebenenfalls nochmals an.
  17. Wenn jetzt alles passt, können wir den Song speichern und direkt aus Cubasis heraus auf unseren Kanal bei Soundcloud stellen.
  18. Im Falle von On Axis binde ich den Soundcloud-Link nun auf der Webseite ein. So das war es auch schon. Einfach und schnell … und wie ich finde: ein hörbares Endergebnis 🙂

Hört euch hier das fertige Ergebnis an und wer will, kann sich die Projektfile auch downloaden und selbst in seinem eigenen iPad mit Cubasis bearbeiten oder in Cubase importieren.

 

Chefredakteur von www.onaxis.de und Social Media Experte sowie Social Media Content Creator u. a. für www.videeo.eu.