Selbsthilfe

Wenn ihr ein Bühnenmikrofon kaufen wollt, gibt es jede Menge Dinge zu beachten. Im folgenden Beitrag geben wir euch nützliche Tipps, wie ihr vorgehen könnt um euer Traummikrofon zu finden. Selbst wenn das zur Verfügung stehende Budget stark limitiert ist, gibt es genügend Mikrofone, die miteinander verglichen werden können und teils überraschende Ergebnisse liefern. Viel Spaß beim selbst Testen eures zukünftigen Mikros.

Jeder Sänger und nahezu jeder Musiker benötigt in der Regel ein Mikrofon für die Bühne. Um das richtige Mikrofon für sich zu finden, gibt es viele Wege, die erfolgversprechend sind. In unserem kleinen Leitfaden „wie man Mikrofone testet“ geben wir euch etwas Hilfestellung, auf was alles geachtet werden sollte, damit der Kauf des neuen Mikros kein Reinfall wird.

Zunächst solltet ihr mal eine kleine Bestandsaufnahme machen, welche Parameter auf euch zutreffen, damit ihr auch das Mikro eurer Träume bekommt.

Folgende Fragen solltet ihr euch hierbei unter anderem stellen:

  • Gehört ihr eher zu den lauten Gesellen? Also kracht es ordentlich auf der Bühne?
  • Muss jede kleine Nuance im Sound zu hören sein oder geht es eher um ein präsentes und raues Signal?
  • Spielt das Gewicht des Mikros eine Rolle?
  • Haltet ihr das Mikro während des Gigs in der Hand?
  • Was für ein Monitoring verwendet ihr?

Die gerade genannten Fragen könnt ihr gerne als Grundlage verwenden. Dennoch rate ich euch, dass ihr selbst euer musikalisches Verhalten analysiert und die für euch wichtigen Kriterien bestimmt.

Sebastian Bach (Ex-Skid-Row) hat mal in einer seiner Live-DVDs sein Mikrofon erwähnt. Dabei hat er überraschenderweise kein Wort über genialen Sound verloren, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass sein Mikro einfach „fuckin´ loud“ ist. Wie ihr seht, hat jeder andere Ziele bei „seinem“ Sound 🙂

Kriterien um das eigene Mikrofon zu finden

Wenn ihr Mikrofone selbst testet, empfehle ich euch, dass ihr euch zum Vergleich ein paar Modelle besorgt, sodass ihr einen Vergleich habt, welches für eure Bedürfnisse das Beste ist. Ihr werdet überrascht sein, was für Unterschiede es da auch innerhalb der gleichen Preisklasse geben kann.

Ich kenne Händler, die euch Mikrofone gegen eine Leihgebühr mitgeben, sodass ihr die Testkandidaten in eurer typischen Umgebung ausprobieren könnt und anschließend, wenn ihr eines der Mikrofone kauft, die Leihgebühr verrechnet bekommt.

Aber auf was kommt es an, wenn ihr ein Mikro für die Bühne sucht? Die folgenden Punkte bieten euch eine geführte Tour zu eurem Traummikrofon 🙂

  1. Klang/Sound: Wir sind Soundfreaks und es geht schließlich immer um den guten Ton. Daher sollte natürlich der Klang eine Rolle spielen. Damit ihr das so differenziert wie möglich beurteilen könnt, empfehle ich euch, euer Instrument, bzw. eure Stimme mit dem Mikrofon aufzunehmen und später konzentriert und in aller Ruhe abzuhören und zu vergleichen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, solltet ihr das Signal übrigens nicht nur einzeln abhören, sondern mit einem eurer Songs – und zwar so, wie ihr live am ehesten klingt. Es soll ja zu eurem Bandsound passen und nicht nur den einzelnen Protagonisten im strahlenden Licht erscheinen lassen 🙂
  2. Richtcharakteristik: Je stabiler die Richtwirkung eures Mikros ist, desto einfacher wird es sein, Rückkopplungen zu unterbinden. Und nein, nur weil Niere draufsteht, muss noch nicht Niere drin sein – zumindest nicht in allen Frequenzbereichen. Wenn ihr euch mal das technische Datenblatt eures Mikrofons anschaut, seht ihr bei der Angabe zur Richtcharakteristik häufig den Zusatz „@ 1 kHz“; dies bedeutet nichts anderes, als dass die Niere bei 1 kHz vorhanden ist. Ihr könntet jetzt verschiedene Testtöne mit dem Mikrofon (in verschiedenen Positionen zur Klangquelle) aufzeichnen – was jedoch recht aufwändig ist und auch nur mit entsprechender Vorbildung aufschlussreich ist. Oder … ihr sorgt für eine bühnenähnliche Situation mit ordentlicher Lautstärke um das Mikrofon in seine Grenzbereiche zu bringen. Denkt aber an den Gehörschutz. Falls ihr ein Gesangsmikrofon kauft, bewegt euch ruhig auf der Bühne und geht absichtlich näher an die PA und die Monitore. So habt ihr einen Anhaltspunkt, welches Mikrofon in welcher Situation, wie schnell rückkoppelt. Bei allen klangrelevanten Punkten gilt übrigens: Der Klang und die Rückkopplungsneigung eures Mikros kann sich von Raum zu Raum und von PA-System zu PA-System (teils massiv) ändern.
  3. Gripgeräusche: Wenn wir schon beim Gesangsmikrofon sind: Überprüft ob über den Schaft Geräusche übertragen werden. Wenn die Geräusche zu stark zur Geltung kommen, wird jedes Umgreifen, jedes an die Klemme stecken und lösen oder jedes Klatschen mit dem Mikro in der Hand zur perkussiven Dreingabe.
  4. Bauart: Ihr müsst wissen, ob ihr ein dynamisches Mikrofon oder eines mit Kondensatorkapsel einsetzt. Für Letzteres benötigt ihr nämlich zusätzlichen Strom – in der Regel 48 V Phantompower. Überprüft also, ob euer Pult oder euer Preamp über Phantompower verfügt. Ach ja,beachtet die Reihenfolge, wie ihr ein Kondensatormikrofon anschließt. Zuerst muss alles ordnungsgemäß verkabelt sein, dann Phantompower aktivieren und vor dem abstöpseln – also nach dem Einsatz – zuerst Phantompower deaktivieren.
  5. Gewicht: Wenn ihr z. B. Mikrofone verwendet, die sehr schwer sind, wie zum Beispiel das RE20 von Electro-Voice Microphones oder auch einige Bassdrum-Mikros müsst ihr darauf achten, dass es am Stativ so angebracht ist, dass es nicht umfällt, bzw. nicht die Position vorm Amp bzw. am Instrument ändert. Hier kann es hilfreich sein, den Galgen am Stativ nicht ganz auszufahren oder den Galgen parallel zu einem der Füße verlaufen zu lassen. Oder ihr beschwert das besagte Stativ mit Gewichten.
  6. Nahbesprechungseffekt: Nahezu jedes gerichtete Mikrofon hat einen Nahbesprechungseffekt. Wie der Name suggeriert, werden bei naher Besprechung die tiefen Frequenzen verstärkt. Testet deshalb auch, wie sich das Mikro lautstärke- und frequenztechnisch verhält, wenn ihr den Abstand zum Korb verringert.
  7. Explosivlaute: Je nach Bauart und Beschaffenheit der verwendeten Materialien (wie z. B. das Gaze) können Mikrofone insbesondere Explosivlaute wie „P“ oder „T“ übertrieben stark aufnehmen. Im Studio würde jetzt ein einfacher Poppschutz helfen. Je nach Signalquelle mag das auch live funktionieren, jedoch empfehle ich hier eher ein Mikrofon, das schon von Haus aus so optimiert ist, dass diese Geräusche wirkungsvoll unterdrückt werden. Wenn euer Testkandidat die Explosivlaute unangenehm überträgt, solltet ihr je nach Signal einen Lowcut einsetzen und hören wie es sich danach verhält.
  8. Reinigung: Insbesondere Mikrofone für Sprache sollten regelmäßig gereinigt werden, da sich da allerhand Speichel, Essensreste und sonstiges ekliges Zeug am Korb ansammelt. Hierfür ist es wichtig, dass der Korb abschraubbar ist und sich das Gaze im Inneren leicht entfernen und wieder anbringen lässt. Achtet hier besonders darauf, ob das Gewinde sauber verarbeitet ist – nicht, dass nach zweimaligen Reinigen ein Endlosgewinde dafür sorgt, dass der Korb nicht mehr richtig hält.
  9. Schalter: Bei Ein- und Aus-Schaltern an (Gesangs-)Mikrofonen scheiden sich die Geister. Der eine will einen, der andere eben nicht. Ich bin ein Verfechter der schalterlosen Variante. So gibts keine bösen Überraschungen am Pult, wenn das Signal mal ausbleibt und man die Regler hochzieht. Denn wenn der Sänger auf einmal den Ein-Schalter betätigt, und die Kanallautstärke auf Maximum steht, kann sich wohl jeder lebhaft vorstellen, was dann passiert 😉

Ich hoffe, dass die genannten Tipps euch bei der Auswahl zum nächsten Mikrofon für die Bühne helfen. Falls ihr selbst noch Tipps und Anregungen zum Testen von Mikrofonen für die Bühne habt, lasst uns daran teilhaben.

Chefredakteur von www.onaxis.de und Social Media Experte sowie Social Media Content Creator u. a. für www.videeo.eu.