Mächtig Handgeklapper für Dudelsack und Rittersleut

Das Kaltenberger Ritterturnier 2014 ist in mehrerlei Hinsicht ein gewaltiges Spektakel. Mehrere 10.000 Fans machen das Schauspiel mal wieder zum weltweit größten Mittelalterfest. Bands, Spielleute, Ritter und feine Damen sorgen für ein authentisches Spiel.

Schlammiger Boden, bunte Gewänder, schwere Kettenhemden und Rüstungen. Eine Horde pflügt sich durch die Menge – mit einem erlegten Wildschwein als Beute. Laute Schreie von den Rittersleut, damit das normale Volk ehrfürchtig Platz gewährt. Allerorten Gelächter, Bier, gezupftes vom Ochsen, Gaukler und Spielmannsleute, authentische Gefechte inner- und außerhalb der Arena. Das ist nur ein kleiner Eindruck während der drei Wochenenden der Ritterspiele auf Schloss Kaltenberg.

Das Ritterturnier im Wandel der Zeit

Das Kaltenberger Ritterturnier hat mittlerweile eine 35-jährige Geschichte. 1980 von Luitpold Prinz von Bayern ins Leben gerufen, hat es sich im Laufe der Zeit zum größten Mittelalterspektakel der Welt entwickelt. Seit dem ersten Turnier hat sich viel getan. Was zu Beginn als „kleines“ Fest mit englischen und bayerischen Teilnehmern initiiert wurde, entwickelte sich zu einem Festival mit mehreren 10.000 Besuchern jährlich. Dies stellte den Veranstalter vor Herausforderungen, die bislang alle gemeistert wurden. In mehreren Ausbaustufen wurde zum Beispiel die Arena dem Spektakel und der immer größer werdenden Fangemeinde angepasst und konsequent ausgebaut.

Doch nicht nur das Gelände und seine Räumlichkeiten haben sich angepasst, auch das Programm wurde immer mehr erweitert. 1980 gab es zum Beispiel als musikalische Untermalung eine bayerische Blaskapelle. Doch der Trend ging immer mehr zu Mittelalterbands und Spielleute. Während der drei Wochenenden im Juli auf Schloss Kaltenberg treten mittlerweile mehr als 1.000 Musiker, Gaukler und Schauspieler auf um die Stätte in eine echte Mittelalterstadt zu verwandeln.

Sicherheit geht vor

Damit bei einer Großveranstaltung wie dem Kaltenberger Ritterturnier nichts passiert, spielt das Sicherheitskonzept eine große Rolle. Vorbildlich zeigt sich das Konzept schon vor dem eigentlichen Spektakel wenn man vor dem Eingang steht. Familien mit Kleinkindern werden freundlich darum gebeten eine Karte mit Namen und Kontaktdaten des Kindes auszufüllen und diese Information als Kette um den Hals des Kindes zu hängen. Falls ein Kind mal in der Menge verloren gehen sollte, ist somit gewährleistet, dass es schnell wieder zu seinen Eltern findet bzw. diese benachrichtigt werden können.

Security wie auch involvierte Mitarbeiter sind per Walkie Talkies verbunden
Security wie auch involvierte Mitarbeiter sind per Walkie Talkies verbunden

Als technischer Dienstleister arbeitet der Veranstalter mit HDM Security zusammen. All diejenigen, die an der Organisation beteiligt sind, werden mit Funkgeräten ausgestattet und haben so jederzeit über verschiedene Kanäle die Möglichkeit miteinander zu kommunizieren. Die Security wird anfangs in einem großen Briefing und dann jeweils an den einzelnen Tagen zu tagesaktuellen Geschehnissen und Abläufen geschult. Die Zeitpläne sind entsprechend straff: So muss zur Geländeöffnung vermehrt Security am Eingang bereit stehen, bei Arenaeinlass an diesen Eingängen und während des Turniers zum Schutz der Zuschauer in und um die Arena.

So kann es auch nicht wundern, dass während des Turniers in der Arena alle Sicherheitsmaßnahmen souverän erfüllt werden. Die Akteure auf ihren Pferden reiten nämlich teils nur wenige Zentimeter und sehr rasant an den Gästen in der Arena vorbei. Die Security hat während des Turniers allerhand zu tun aber auch alles im Griff und achtet darauf, dass die Gäste nur rein oder raus dürfen, wenn dies showtechnisch möglich ist.

Mit viel Leidenschaft stürzen sich die Ritter in die choreographierte Show und kämpfen in schweren Rüstungen zu Pferd und auf dem Boden. Eingesetzt werden Schwerter, Äxte, Schilder, Pfeil und Bogen sowie Lanzen zum tjosten. Manche Stürze vom Pferd sehen dabei so echt aus, dass man sich kaum vorstellen kann, dass hier alles eine professionell einstudierte Show ist.

Witterungsbeständige Veranstaltungstechnik

Mit der Auf- und Abbauphase ist das Equipment auf Kaltenberg über vier Wochen im Freien verbaut. So ist die Witterungsbeständigkeit ein sehr wichtiges Kriterium, was es die Veranstaltungstechnik anbelangt. Darüber hinaus darf die Technik so wenig wie möglich zu sehen sein. Eine große Herausforderung ist es die 200 m lange und ca. 60 m breite Arena, die über 10.000 Besuchern Platz bietet, in guter Qualität zu beschallen und zu beleuchten. Das Zusammenspiel zwischen Künstlern und Technik ist der wesentliche Punkt bei dieser Produktion.

L-Acoustics als Main-PA auf der Rabenbühne
L-Acoustics als Main-PA auf der Rabenbühne

Die Rabenbühne wird mit einem Beschallungssystem aus dem Hause L-Acoustics ausgestattet. Systemtechniker Daniel Staschinski verwendet hierfür ein ARCS Wide und ARCS Focus in Ergänzung mit SB 18 Subs als Main-PA. Das Monitoring wird mit 12XT umgesetzt. Eine digitale 32-Kanal-Konsole bildet die Regie. Um den historischen Anspruch gerecht zu werden, wird die eingesetzte Lichttechnik so unauffällig wie möglich und in der Bauform so klein wie möglich umgesetzt. Neben klassischer Frontbeleuchtung werden LED-Fluter zur Fassadenbeleuchtung der Bühne an sich, sowie LED-PAR-Spots als Akzentlicht für die Künstler eingesetzt.

Neben der Arena wird das gesamte 125.000 Quadratmeter große Gelände szenisch beleuchtet. Ebenso gibt es vier weitere Spielorte bzw. Bühnen die bestückt werden müssen. Eine Vielzahl der Lampen wird in den Bäumen montiert. Zahllose Kabelwege laufen zwischen den Bäumen, um keine Stolperfallen für die Besucher zu verursachen.

Die Pferde von Regisseur Mario Luraschi sind der Mittelpunkt der Show. So muss bei Einbau der Technik genau darauf geachtet werden, dass kein Verletzungsrisiko für die Tiere entstehen kann. Genau an dieser Stelle muss wieder eine Brücke zwischen hohem technischen Anspruch und der möglichen Umsetzung zwischen Regie und Technik gefunden werden.

Während der gesamten Arena-Show läuft ein Notstromaggregat parallel mit, das bei einem möglichen Stromausfall sofort reagiert und Stromschwankungen ausgleicht. Ein weiteres Aggregat versorgt die Technik auf dem Gelände. Die Pulte im FoH sind zusätzlich durch USV gepuffert. Als weitere Absicherung ist ein Notdurchsagen-System/Evakuierungssystem von ELA installiert, welches ebenfalls völlig autark betrieben, über eine USV versorgt wird.

Zwei weitere Geländebühnen werden ebenfalls mit Beschallungssystemen aus dem Hause L-Acoustics umgesetzt. Zwei weitere Spielorte werden mit Beschallungsanlagen von HK Audio betrieben. Insgesamt sind in diesem Jahr 48 Funkstrecken verbaut – alle aus dem Hause Shure. Weitere 20 Funkstrecken werden von den Künstlern mitgebracht und eingesetzt. Damit es hier keinen Tumult gilt, wird das Funkfrequenzmanagement zentral vom Veranstalter umgesetzt.

Die gesamte technische Koordination erfolgt durch den technischen Partner Moonlight. Zentrale Schnittstelle zwischen den acht betreuenden Veranstaltungstechnikern und der Kaltenberger Ritterturniers GmbH erfolgt durch Monia Aichinger. Die Betreuung der Arenashow erfolgt durch fünf Techniker, die bereits seit fünf Jahren im Einsatz sind. Die Betreuung der gesamten Geländetechnik erfolgt ebenfalls durch einen Veranstaltungstechniker. Zwei der insgesamt fünf Geländebühnen werden ebenfalls von Tontechnikern betreut. Die weiteren drei Spielorte werden von Regieassistenten begleitet, die durch den Geländetechniker unterstützt werden.

Auch bei den Darbietungen ist der Zeitrahmen sehr straff organisiert. Eine Change-Over-Zeit von nur fünf Minuten zwischen den einzelnen Darbietungen erlaubt keine langen Soundchecks, dafür aber viel Erfahrung, daher sind keine Techniker der Künstler selbst im Einsatz.

In der Arena

Es gibt neben dem Vorprogramm nur zwei Live-Stimmen während der Show. Beide Künstler sind zu Pferde in der langen Arena, so haben sie sich für die Shure UR4 in Verbindung mit DPA-Headsets entschieden. Der Anspruch an den Ton-Operater Matthias Lingenfelder ist es, ein homogenes Tonbild zu schaffen, sodass Live gesprochenes und gespieltes nicht von Einspielungen unterschieden werden kann.

Im Hinblick auf Montagemöglichkeiten und Lasten gibt es nur vier zentrale Punkte zur Montage. Hier wird das Effektlicht durch 16 JB A12 aus dem Hause JB Lighting sowie wie 4 x Martin MAC III umgesetzt. Weitere 22 1KW-Stufen sorgen für Weißlicht. Ein weiterer Spielort in der Arena, die Königsloge, wird mit LED-PAR-Scheinwerfern und Flutern inszeniert. Eines der Highlights der Show ist die hydraulische Rampe in der Mitte der Arena. Um die Absenkung „unsichtbar“ zu machen sind in dem schmalen Tunnelsystem drei Hochleistungsnebelmaschinen sowie Druckgebläse verbaut. Die Anbindung wird durch das W-DMX-System von Wireless Solutions gelöst. Die Regie erfolgt an der GrandMA 2 Light in Verbindung mit der 2PortNode und der GrandMA onPC Command Wing. Das Pre-Programming und Lichtdesign setzt Licht-Operator Andreas Branse („Batzi“), im Vorfeld gemäß dem Drehbuch um.

Auf den Stangen platziert sitzen unauffällig die 8XT von L-Acoustics
Auf den Stangen platziert sitzen unauffällig die 8XT von L-Acoustics

Der Anspruch an die Beschallungsanlage der Arena ist, dass die Boxen so klein wie nur möglich sind, sodass für die Besucher keine Sichteinschränkungen verursacht werden. Trotz allem wird eine brillante und druckvolle Übertragung an allen Sitzplätzen erwartet. Zum Einsatz kommt die 8XT von L-Acoustics. Insgesamt 24 Lautsprecher werden auf den Masten entlang der Arena installiert. Ergänzt wird das System durch acht HK CDR-210 Subs, hier ist die schmale Bauform der Bässe der ausschlaggebende Punkt.

Loge und Beschallung des Backstage-Bereichs, sowie die Anbindung des Tunnels wird mit HK Audio CT 108 und Electro-Voice Evid umgesetzt. Das Monitoring der Arena wird mit Cohedra-Compact-Line-Array-Elementen realisiert. Das gesamte Tonsystem wird von zwei unabhängig voneinander betriebenen Notebooks überwacht und gesteuert, was insbesondere bei den unterschiedlichen Witterungsbedingungen unabdingbar ist. Die Herausforderung sind die langen Signalwege, die über ein digitales System von Allen&Heath umgesetzt werden.

Chefredakteur von www.onaxis.de und Social Media Experte sowie Social Media Content Creator u. a. für www.videeo.eu.