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Tutorial: Die optimale Körperhaltung und Artikulation beim Singen

Vocal Tips – Teil 4

Im vierten Teil der Vocal Tips geht es um die optimale Körperhaltung sowie die Artikulation von Vokalen und Konsonanten. Neben vielen praktischen Übungen gibt es noch Soundbeispiele, sodass du gleich hörst wie es richtig klingen muss.

Vocal Tips Teil 4: Körperhaltung und Artikulation sind für einen schönen Ton maßgeblich

Singen ist die natürlichste Art zu musizieren. Je nach Anspruch ist es wichtig, die Technik dahinter zu beherrschen, damit man zum einen die richtigen Töne erzeugen kann und zum anderen effektiv, ohne heiser zu werden rocken kann. Aber denke daran, auch eine Stimme braucht mal Pause; Ermüdungserscheinungen im Hals sind ernst zu nehmen, daher bitte keinen falschen Ehrgeiz. Songs die einem zu viel Kraft rauben, weil sie noch zu hoch sind und daher mit Verspannung und falscher Technik gesungen werden sind gefährlich.

Mit der richtigen Atemtechnik werden deine Töne vom Körper getragen. Denn du singst die zu singenden Passagen mit der dafür nötigen Körperspannung und dem entsprechenden Raum in deinem Mund als Ergänzung.

 

Justiere deinen Körper

Die richtige Körperhaltung lässt die Luft tief in deinen Körper strömen, da sich das Zwerchfell durch eine gute Körperhaltung optimal bei der Einatmung absenken kann. Singe also mit der Kraft des Zwerchfells. Aber auch die Artikulation spielt eine übergeordnete Rolle wenn es um deinen eigenen Klang geht. Merke: Die Artikulation ist beim Gesang das A und O und trägt zu deinem Stimmsound immens bei. Blockaden durch Verspannung und Fehlhaltungen sorgen für keine gute Einatmung und keinen guten Ton. Eigentlich wäre es für jeden Sänger prima wenn er sich schön vom Physiotherapeuten, Osteopathen oder Shiatsu-Meister massieren ließe.

Kommen wir nun zur optimalen Körperhaltung: Stelle Dich mit dem Rücken an eine Wand und justiere Deinen Körper. Po, Rücken, Schultern und Kopf lehnen sich gegen die Wand. Die Füße ruhig etwas von der Wand entfernt, hüftbreit auseinander stellen.

Merke dir nun diese Körperhaltung und bewege dich mit dieser langsam in deinem Raum. Achte auf deinen Kopf, dieser sollte ganz gerade und ganz locker sein, das Kinn sollte immer parallel zum Boden ausgerichtet sein. Deine Knie bitte nicht ganz durchdrücken. Verlagere Dein Gewicht vorne auf die Fußballen, damit die Beine etwas durchfedern können.

Ich weiß, kein wirklicher Rock ‘n Roller steht so auf der Bühne, aber für das Vocaltraining und die Atmung ist es wichtig, dass du gut positioniert stehst.

Und beachte bitte Folgendes: Steht man zu sehr im Hohlkreuz ist das Zwerchfell in seiner Bewegung eingeschränkt! Mit einem optimierten Stand und der gleichzeitigen Neigung des Beckens nach vorne kommst du zu einer schönen, geraden Haltung. So kann sich das Zwerchfell während des Einatmungsprozesses schön absenken und zur Seite ausdehnen.

Die Arme hängen locker herunter. Pass auf, dass deine Schultern ganz entspannt und nicht hochgezogen sind. Bitte achte auch darauf, dass du keinen Rundrücken machst!

 

Artikulation

Die Vokale A, E, I, O, U machen die Musik, die Konsonanten hingegen geben dir Kraft für den Ton und dank Atemstütze klingen deine gesungenen Vokale unverhaucht. Denn Singen ist immer eine dosierte Luftabgabe.

Auch sind die Konsonanten Wegweiser für die Vokale, denn diese sollen stets nach vorne gesungen werden. Deine zu singenden Worte sollen stets nach vorne gebracht werden. Hier kann es hilfreich sein, dass du dir vorstellst die Vokale mit Hilfe der Konsonanten an die Schneidezähne zu bringen.

 


     
  

Hier sind die fürs Singen wichtigen Resonanzräume

  • Brust
  • Kopf
  • Mund
  • Nase
  
     

 

 

Artikulationswerkzeuge

Zunge, Lippen, Kiefer, Gaumen (unterteilt in harter und weicher Gaumen) und Kehlkopf sind dafür da die Konsonanten und Vokale richtig zu formen. Durch Trainieren dieser Artikulationswerkzeuge werden diese lockerer, schneller, flexibler und kräftiger.

Durch die Kehlkopfposition könnt ihr als Sänger den Hals-/Rachenraum zum Vorteil des Tones verändern. Singe stets mit einer gefühlt offenen Kehle, Atme hierfür in der sogenannten Staunstellung ein; herzlich willkommen lieber Ton ;-)

Motivierte Musiker kennen in der Regel ihr Instrument in und auswendig, wissen also welches Material für was da ist und wie es aussehen muss. Hast du dich schon mit deinem Rachenraum auseinandergesetzt und weißt wie dieser aussieht und sich anfühlt?

Falls nicht, gebe ich dir einige Übungen an die Hand wie du deinen Stimmapparat besser kennenlernst:

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Grafische Darstellung des Gaumens

Harter Gaumen: Streiche einmal mit der Zungenspitze am Gaumen direkt hinter der oberen Zahnreihe entlang. Das Fleisch ist fest gespannt. Festes Material leitet die Töne übrigens besser als weiches Material. Denken wir noch mal kurz an die Beschreibung, wie der Ton entsteht: Genau durch die dosiert ausgeatmete Luft (dank Atemstütze) werden die Stimmbänder im Kehlkopf in Schwingung versetzt. Es entstehen Schallwellen und Schallwellen brauchen festes Material!

Weicher Gaumen: Nach hinten zum Schlund hin wird das Fleisch weicher. Direkt dahinter ist das Gaumensegel. Um hier festeres Material zu schaffen, stellen wir wie beim Gähnen das Gaumensegel auf. Das sogenannte Zäpfchen ist dann kaum noch sichtbar. Man spricht auch davon den harten Gaumen nach hinten zu verlängern.

Häufig beobachte ich bei bei Sängern, dass sie beim Singen höherer Passagen den Mund weiter öffnen. Aber achte bitte darauf, den Mund nicht bis zum Anschlag aufzureißen und zu überdehnen. Aus der Praxis kenne ich auch genügend Sänger die den Mund sehr breit ziehen. Aber auch hier wird durch Überdehnung der Ton in seinem Klang negativ beeinflusst. Aber auch bei tieferen Tönen kann es Wunder wirken wenn der Kiefer nur einen Millimeter gelöst wird damit der Ton sich besser entwickelt und zumeist besser klingt.

 

Im folgenden Soundbeispiel hörst du Folgendes:

Day gesungen in Lächelsstellung (Zahnreihen sind locker auseinander) und Day gesungen in Staunstellung (das heißt kein breiter Mund sondern nur den Kiefer locker fallen lassen) und dann Day gesungen von Lächelstellung in Staunstellung verändert.

 

 

Aus der Praxis

Auch wenn ich mich wiederhole: viele Sänger ziehen beim Singen den Mund extrem in die Breite was in der Regel für keinen tollen Klang sorgt. Klar kann man in Lächelstellung singen, diese Mundhaltung sorgt für einen freundlichen, naiven, hellen Klang, aber mache den Mund bitte nicht zu breit. Wie so häufig im Leben ist ein Übermaß meist zu viel ;-)

Nun komme ich zur Zungenposition bei den Zungenspitzenkonsonanten: Für viele ist die Konsonantenbildung selbstverständlich. Häufig kann ich aber Fehlstellungen der Zunge beim Bilden der Konsonanten feststellen.

     
  

Frage dich selbst bzw. probiere folgendes aus:

Wo liegt deine Zunge bei einem T, einem D, einem L oder einem N?
– Die Zungenspitze berührt kurz hinter der oberen Zahnreihe am Zahndamm den Gaumen.

Wo liegt deine Zunge bei einem S?
– Die Zungenspitze ist nach oben gewölbt, berührt aber nicht den harten Gaumen.

Wo liegt deine Zunge beim Schlucken?
– Die Zunge befindet sich oben und berührt den harten und weichen Gaumen.

  
     


Die Vokale machen ja die Musik, denke deshalb am Besten an gesprochene Vokale. Also A wie Andrea, E wie Elisabeth, I wie Ida, O wie Otto und U wie Udo. Die Zunge liegt beim Singen der Vokalfolge ganz entspannt unten und die Zungenspitze berührt die untere Zahnreihe von hinten.

Anhand einiger praktischer Übungen gehe ich die Vokale mit dir durch.   Drücke nie die Zunge zu flach runter in den Zungengrund oder lass sie nach hinten in deinen Schlund rutschen. Jeder gesungene Vokal benötigt deine individuelle Mundgröße. Ist der Vokal im Mund gut spürbar, klingt er normalerweise auch gut. Du solltest demnach deine Stimme nicht nur hören, sondern auch die Resonanz in den Resonanzräumen gut spüren. Und merke dir: Je obertonreicher der Vokal, desto schöner klingt er.

Dank Atemstütze und individueller Mundgröße für jeden Vokal zirkuliert die dosierte Luftmenge und der Ton in deinem Mundraum. Man könnte also sagen, du fühlst den Ton im Mund.

Merke: Der perfekte Ton benötigt Atemstütze, die perfekte Mundgröße und die richtige Körperspannung. Für den Ausdruck und Emotion gehören natürlich auch Mimik und Gestik dazu.

Soundbeispiel:

      1. Wir gleiten vom gesungenen  ji zum  u  zum o zum O mit gelöstem Kiefer und hängen noch ein ey hinten dran.

         

      2. Littleley langsam zu O werdend damit findest du nicht nur deine Obertöne sondern trainierst noch deine Atemstütze.

 

Und da fällt mir noch ein: Viele Sänger schicken Ihren Ton extrem durch die Nase. Aber beachte bitte, dass nur M, Ng, und N Nasalkonsonanten sind. Alle anderen Buchstaben solltest du in deinem Mund fühlen. Falls du dazu neigst zu nasal zu singen achte darauf ob du beim Sprechen auch nasal klingst. Einige klingen nämlich nur beim Singen nach Nase.

 

Finde dein gesungenes A

Aus der Praxis kann ich berichten, dass der Vokal A vielen Schwierigkeiten bereitet. Da hierbei der Mund am weitesten geöffnet ist und daher auch immer die meiste Luft entweicht.

Wichtig bei der folgenden Übung ist, dass deine Atemstütze funktioniert. Du atmest ein und hältst entspannt die Körperweite. Halte einen Moment diese Zustand und schicke erst dann den Ton durch deinen Körper.

     
  

Übung

  1. Singe auf einem bequemen Ton das Wort „sing“. Spüre wenn du den Ton länger hältst, wie das Ng unter anderem in der Nase resoniert.
  2. Löse nun den Kiefer – du singst immer noch Ng.
  3. Nun lass den Zungenrücken locker fallen und artikuliere ein klares, reines A.

 

 

  
     



Bei einem gesungenen „Ng“ liegt der hintere Teil der Zunge (genannt Zungenrücken) weit oben und berührt den hinteren Gaumen und die Backenzähne. Die Zunge verschließt förmlich den Rachenraum, wo die Schallwellen ja entlang sollen um den Vokal gedacht an die vorderen Schneidezähne zu bringen. In dem Moment wo du den Zungenrücken locker fallen lässt, kann ein wundervoll klingendes A entstehen. Vorausgesetzt du schaffst es die Weite zu halten. Ansonsten klingt das A nicht wie es soll, da zu viel Luft beigemischt wurde.

 

     
  

Andere Übung für das A

Singe mit hängendem Kiefer „LaGa“. Gib der Zungenspitze für L und dem Zungenrücken für G ordentlich Kraft. Der Kiefer darf sich nicht mitbewegen.

  
     

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 07 Juni 2016 17:59
Angie Damschen

Autorin On Axis

Unsere Kompetenz in Sachen Gesang und Stimme. Angie ist professionelle Sängerin für Studio und Live. Sie arbeitete u. a. mit der bekannten Größe La Toya Jackson oder coachte Breathe Atlantis sowie Flash Forward und leitet die Gesangsschule VCN – Vocal Coach Niederrhein.

Webseite: www.vocalcoach-niederrhein.de

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