Artikel bewerten
(1 Stimme)

FRNC Kabel: Ohne Chlor und flammwidrig

The Cable is not under Fire

Wenn man über Brandschutz bzw. Flammwidrigkeit im Zusammenhang mit Kabeln spricht, stößt man auf einige Abkürzungen wie z. B. FRNC, E30, E90, Halogen-Free uvm. Was es damit auf sich hat besprechen wir im folgenden Beitrag. Zudem gehen wir darauf ein, ob es Verordnungen gibt die den Einsatz bestimmter Kabel regeln. Diesbezüglich haben wir mit Produktexperte Pascal Miguet von SOMMER CABLE gesprochen ...

FRNC-Kabel: flammwidrig und chlorfrei

Der Begriff FRNC steht für „Flame Retardant Non Chlorid“ oder „Flame Retardant Non Corrosive“ – was frei übersetzt „flammwidrig ohne Chlorid“ oder „flammwidrig nicht ätzend“ bedeutet. Chloride, wie sie im PVC vorkommen, sind wenn sie brennen giftig. Das bedeutet, dass ein flammwidriges Kabel ohne Chloride auskommen muss. Daher wird bei Kabeln die FRNC sind vorgeschrieben, welche Materialien überhaupt eingesetzt werden dürfen.

 

Eine Frage des Materials

Pascal Miguet: Produktspezialist bei SOMMER CABLE
Pascal Miguet: Produktspezialist bei SOMMER CABLE

Der ein oder andere wird sich jetzt sicher fragen, warum dann nicht nur FRNC-Kabel angeboten werden. Ganz einfach: PVC ist viel flexibler und günstiger. Denn FRNC-Materialien sind immer sehr steif und meistens – wenn sie gut sein sollen, sprich flammwidrig und flexibel – sehr teuer. Das sind dann spezielle Materialien, wie z. B. Softpolyuretan.

Aber nicht nur das eigentliche Material spielt eine Rolle wenn es um Brandschutz geht, sondern wie viel „brennbares“ Material überhaupt vorhanden ist. Somit spielt auch die Materialdicke eine wichtige Rolle, wenn es darum geht ein schwer entflammbares Kabel aufzubauen. Aber auch umgekehrt spielt eine niedrige Brandlast bei z. B. sehr dünnen Kabeln eine Rolle. So erklärt Miguet: „Wenn auf einem Betonboden zum Beispiel ein dünnes SOMMER CABLE Isopod-Mikrofonkabel verlegt wird, gehen die Planer davon aus, dass auf Grund der geringen Masse des Materials keine besonderen Anforderungen gestellt werden.“

Wenn eine gewisse Flexibilität beim Kabel erforderlich ist, können keine flammwidrigen Materialien verwendet werden. Denn wie schon erwähnt, machen flammwidrige Materialien das Kabel steif – es ist dann weder trommel- noch biegbar. Hier muss dann ein Kompromiss gefunden werden. Für Ecken gibt es übrigens spezielle FRNC-Verbindungen.

 

Andere Länder andere Bestimmungen

Zum Thema Flammwidrigkeit gibt es verschiedene Stufen die relevant sind. Es gibt zig Bestimmungen zur Flammwidrigkeiten – aber die relevanten sind nur ganz wenige. Weil jedes Land hat ganz andere Bedingungen für die Flammwidrigkeit.

Italien hat EU-weit mit die strengsten Bedingungen. Das geht soweit, dass beispielsweise ein Kreuzfahrtschiff mit den „falschen“ Kabeln ausgestattet, an keinem Hafen anlegen darf.

Die Annahme, dass FRNC zwangsläufig in öffentlichen Gebäuden vorgeschrieben ist, stimmt nicht. Das ist von Land zu Land und von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Das muss man bei der jeweiligen Gemeinde erfragen. Das ist also in der Gemeindeverordnung geregelt. Und was noch dazukommt: Wenn die Gemeinde zum Beispiel sagt: „in diesem Gebäude müssen flammwidrige Schläuche installiert werden“, können in diese flammwidrigen Schläuche auch PVC-Kabel gelegt werden. Wichtig ist nur, dass der Schlauch flammwidrig ist. Und aus diesem Grund gibt es flammwidrige Schläuche oder Kabelführungen.

Das Landratsamt gibt die Bedingungen für die Installationen vor, und diese müssen dann auch eingehalten werden. Wichtig ist, dass es keine generelle Verordnung gibt die das regelt – jedoch kann es das zuständige Land bestimmen. Und wenn die es bestimmen, wird es auch verbindlich. Und dann wird es auch heftig. Aus diesem Grund müssen die Leitungen spezifiziert werden.

 

Isolation

Und bevor die Frage aufkommt: Die Isolation hat in der Regel nichts mit der Flammwidrigkeit zu tun. Eine Isolation wird gasgeschäumt und geht auf wie ein Kuchen. Zudem wird sie außen vernetzt bzw. die Oberfläche wird geglättet, damit die Werte besser sind. Denn die Qualität eines Kabels wird vom Abstand der Ader zum Schirm bestimmt. Und wenn jetzt beispielsweise die Isolation rau ist – also wenn die Oberfläche nicht sauber ist – ist der Abstand von der Ader zum Schirm unterschiedlich.

 

Normen und Auflagen

Bei der Flammwidrigkeit gibt es vier wichtige Normen: Relevant sind die Prüfnormen IEC 60332-2-2 (FRNC-Prüfart A) und IEC 60322-1-2 (FRNC-Prüfart B) – es gibt auch noch eine FRNC-Prüfart C, die ist jedoch nur in wenigen Fällen relevant. Und dann gibt es noch die Kürzel E30 und E90. Im SOMMER-CABLE-Katalog gibt es hier übrigens detaillierte Angaben zum Prüfverfahren.

Bei den Kürzeln E30/E90 gibt man eine Gewährleistung darauf, dass das Kabel 30 bzw. 90 Minuten einer Flamme ausgesetzt sein darf ohne zu brennen. Das ist insbesondere bei Alarmanlagen wichtig. Aus nachvollziehbaren Gründen bringt es ja nichts, wenn das Kabel schon bei beispielsweise 60° C schmilzt.

Aber wie erreicht man E30/E90? Das erreicht man beispielsweise über einen flammwidrigen Spezialmantel mit einer sehr dicken Außenhaut und drinnen ist ein Vlies, das die Hitze ableitet. Dieses Vlies – das wie Kevlar aussieht – ist hitzedämmend und verhindert dass die Hitze dann auf die Adern geht.

Der Vollständigkeit halber ist noch zu erwähnen, dass man um ein E90-Kabel eine Stahlarmierung legen kann. Eine Stahlarmierung ist so eine Art Außenhaut in der das Kabel liegt. Aber auch hier muss man berücksichtigen, dass es im Brandfall zu glühen beginnt.

Im typischen Veranstaltungsbereich sind FRNC-Leitungen jedoch irrelevant da sie in der Regel nur fest installiert werden. Insbesondere bei Touring-Veranstaltungen ist ein FRNC-Kabel nicht sinnvoll, da die Technik am Ende wieder abgebaut wird – also wenn das Event vorbei ist.

 

Planungsfehler

Wenn man beispielsweise E30 erfüllen will, braucht man teilweise dickere Isolationen. Hier ist eine gewisse Manteldicke von Nöten. Denn die Anforderung lautet ja unter anderem, dass das Kabel einer Flamme in 20 cm Entfernung 30 Minuten standhalten soll.

Auf den Seiten 22/23 im Katalog von SOMMER CABLE gibt es nützliche Infos rund um Kabelbegriffe und Prüfverfahren. Der Katalog lässt sich hier kostenlos nach Hause bestellen.
Auf den Seiten 22/23 im Katalog von SOMMER CABLE gibt es nützliche Infos rund um Kabelbegriffe und Prüfverfahren. Der Katalog lässt sich hier kostenlos nach Hause bestellen.

„Manche Planer suchen sich nun ein bestimmtes Kabel aus dem Katalog raus und sagen ‚ich hätte gerne diese Leitung in IEC 60322-1-2 oder in E30 oder in sonst was‘ und dann musst du dem Planer sagen, dass das nicht funktioniert. Denn er hat sich dann zum Beispiel eine Leitung herausgesucht die 3 mm dick ist; jedoch muss alleine die Isolation schon diese Dicke mit sich bringen um die IEC-60322-1-2-Approbation zu erhalten. Und das macht es echt anstrengend, weil sich die Planer hierüber vermutlich kaum Gedanken machen. Denn der Planer hat nur 3 mm Platz für sein Kabel will aber IEC 60322-1-2. Und das geht in vielen Fällen einfach nicht.“ erklärt Pascal Miguet.

„Letztendlich müssen sie sich im Vorfeld erkundigen. Was bringt ansonsten eine Planung, wenn sie nicht den Zweck erfüllt. Und hierbei geht es um ein Feld, das nicht wirklich komplex ist. Alternativ können die Planer zu uns kommen und die Anwendung schildern. Und dann wird geprüft ob wir schon stimmige Produkte haben oder etwas extra gefertigt werden muss.“

Insbesondere auf Schiffen sind flammwidrige Kabel sehr wichtig. Es gibt nämlich Kabel die brennen wie Zündschnur – zum Beispiel Kabel aus PE (Polyethylen). So ein PE-Kabel könnte man auf eine Betontreppe legen, unten anzünden und die Flamme läuft dann auf der Treppe nach oben.

„Früher hat man übrigens darauf geachtet, dass die Kabel keine giftigen Gase entwickeln. Das resultierte aus einem Flughafenbrand in Düsseldorf; hier kamen die meisten Menschen nicht durch die Flammen ums Leben sondern wegen der giftigen Gase. Daher hat man beschlossen, dass Kabel keine giftigen Gase entwickeln dürfen. Erst später hat man realisiert, dass Flammwidrigkeit auch Sinn macht. Denn was bringt es, wenn keine giftigen Gase entstehen aber dafür das Kabel dann wie eine Zündschnur wirkt. Und dieses Zündschnur-Verhalten wäre auf einem Kreuzfahrtschiff fatal. Denn hier besteht die reelle Gefahr, dass es in einer Ecke zu brennen beginnt und das Feuer somit durch das ganze Schiff geführt wird.“ begründet Pascal Miguet.

Es gibt FRNC-Leitungen deren Außenmantel alleine 5 mm Dicke und die Isolation über 1 mm Dicke bringen. Hier kann man sich rein physikalisch ausrechnen, dass manche Dinge nicht möglich sind. Und hier gibt es Planer die wollen beispielsweise nach IEC 60322-1-2 ein Netzwerkkabel haben. Das wäre viel zu dick. Das passt dann in keinen Netzwerkstecker mehr rein. Somit lässt sich auch erklären, warum ein Projekt ins Stocken gerät wenn ein Planer nicht sorgfältig arbeitet.

 

Der Schein trügt

Insbesondere für die AQUA-MARINEX-Serie von SOMMER CABLE werden nur die besten Materialien verwendet, damit die Kabel unter anderem auch salzwasserbeständig sind
Insbesondere für die AQUA-MARINEX-Serie von SOMMER CABLE werden nur die besten Materialien verwendet, damit die Kabel unter anderem auch salzwasserbeständig sind

Qualitativ gute FRNC-Kabel haben ihren Preis. Daher muss man bei einigen Herstellerangaben aufpassen. Es gibt Anbieter, die schreiben beispielsweise „Außenmantel flammwidrig“ also FRNC drauf. Und wenn man hier als Kunde nicht aufpasst oder schlampig ist, überliest man das Entscheidende häufig. Denn der Gesamtaufbau des Kabels muss FRNC sein. Hier ist es ratsam, dass der Kunde den Hersteller fragt ob das gesamte Kabel flammwidrig ist und nicht nur der Mantel. Das ist zulässig. Da es keine staatliche Bestimmung gibt, ist das auch zulässig. Denn die Anforderung ist ja Ermessenssache.

Es gibt auch günstigeres FRNC-Mantelmaterial, das aber einige Nachteile mit sich bringt. Das Material ist dann enorm steif und in der Regel nicht beständig gegenüber Mikroben. Für den Veranstaltungsbereich spielt das in der Regel keine Rolle. Aber im Tunnelbau spielt das eine wichtige Rolle. Denn beim Tunnelbau aber auch im Wasser gibt es Mikroben, die das Kabel einfach zersetzen. „Das qualitativ beste Material verwenden wir daher bei unserer Aqua-Serie, da es unter anderem mikrobenbeständig und querwasserdicht ist.“ erläutert Pascal Miguet.

Im Rundfunkbereich spielen wieder andere Kriterien eine Rolle: hier ist die Anforderung an ein FRNC-Kabel, dass es flexibel und zudem kältebeständig ist. Soft-PUR ist in diesem Fall ein Edelmaterial, da es halogenfrei, flammwidrig, kältebeständig und im Verhältnis gesehen noch biegbar ist.

 

Der Preis ist heiß

Wie schon angedeutet, kosten qualitativ hochwertige FRNC-Kabel auch um einiges mehr als die günstigeren PVC-Kabel. Der Preis kann im Vergleich zu einem PVC-Kabel rund 30 bis 40 % mehr ausmachen. Der höhere Preis ist hierbei unter anderem von der Menge an benötigtem Mantelmaterial abhängig. Laut Pascal Miguet ist Vorsicht geboten, wenn halogenfreies und flammwidriges Material zu Dumpingpreisen angeboten wird – hier wird von den „Billiganbietern“ häufig sehr tief in die Trickkiste gegriffen.

Daher das Plädoyer von Pascal Miguet an die (Kabel-)Planer: Bevor etwas geplant wird, was aus fehlender Sachkunde nicht funktioniert, ist es besser vorher Experten – gerne auch die Kabelspezialisten SOMMER CABLE –zu befragen und frühzeitig einzubeziehen.

 

Letzte Änderung am Freitag, 01 Juli 2016 17:26
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de

Schreibe einen Kommentar

Trage hier deinen Kommentar ein ...