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GEMA-Gebühren für Downloads und Streaming

Wer für was bezahlen muss

GEMA-Gebühren in Deutschland werden seit Jahren öffentlich kontrovers thematisiert. Was eine gute Sache für Komponisten und Urheber ist – insofern sie Mitglieder der GEMA sind, wurde bisher von vielen abgelehnt. Egal ob Veranstaltung, Onlinenutzung, Tonträgerproduktion oder sonstige Zusammenkunft mit Musik im öffentlichen Raum, immer fallen die „unbeliebten“ Gebühren an, die für jede Nutzung einen eigenen Tarif bereithaltet. Insbesondere die „neuen“ Vertriebswege wie der MP3-Verkauf in Onlineshops (Amazon, iTunes, etc.) oder Streaming via Flatrate (Spotify, Amazon Prime Music, etc.) verlangten neue Tarife und Abrechnungsmöglichkeiten. Wir sprachen daher mit der GEMA über das Thema Gebühren für Downloads und Streams von Musik ...

GEMA-Gebühren müssen auch online – etwa für Downloads und Streaming – entrichtet werden

Vor kurzem erreichte uns folgende Leserfrage:

„Ich bin Covermusiker und veröffentliche Coverversionen bekannter (GEMA-pflichtiger) Songs. Es wird kein physikalischer Datenträger (CD, Vinyl, etc.) erstellt, der verkauft werden soll. Ich würde jedoch gerne die Songs als MP3 in Amazon, iTunes und Co. gerne verkaufen. Welche GEMA-Gebühren fallen hierfür an? Denn eigentlich würde ich die GEMA-Gebühr ja direkt bei der CD-Pressung abtreten. Daher: wie funktioniert das Online? Muss ich zudem auf jeder Verkaufsplattform eine eigene Abgabe abtreten? Und werden die kurzen Soundsamples zum Reinhören extra abgerechnet?“

Jürgen W. via Kommentar

Einige – wie wir finden – interessante Fragen, die tatsächlich weitere Fragen aufwerfen. Doch eins nach dem anderen. Um uns nicht in Halbwahrheiten, Mythen und Esoterik zu verstricken, haben wir nach einer ersten Onlinerecherche zum Thema direkt bei der GEMA nachgefragt – die auch prompt antwortete.

„Die großen legalen Musikdienste verfügen in der Regel über eine Lizenzvereinbarung mit der GEMA, die eine Vergütung der für Online-Nutzungen der Musikwerke des GEMA-Repertoires im Rahmen des jeweiligen Download-/Streaming-Dienstes abdeckt, das heißt der Musikdienste-Anbieter zahlt in diesem Fall – untechnisch gesprochen – die GEMA-Vergütung. Seitens des Interpreten ist darauf zu achten, dem Dienst die Urheber- und Verlagsangaben zum Musikwerk zur Verfügung zu stellen, um eine korrekte Abrechnung zu ermöglichen. Eine entsprechende Online-Recherche dieser Informationen ist unter dem Link online.gema.de/werke/search möglich“, so die Lizenzabteilung der GEMA.

Flatrate-Streaminganbieter oder Musik-Onlineshops wie zum Beispiel Amazon verrechnen die GEMA-Gebühr in der Regel mit der Verkaufsgebühr bzw. haben eigene Verträge mit der GEMA ausgehandelt
Flatrate-Streaminganbieter oder Musik-Onlineshops wie zum Beispiel Amazon verrechnen die GEMA-Gebühr in der Regel mit der Verkaufsgebühr bzw. haben eigene Verträge mit der GEMA ausgehandelt

Um es noch einfacher auszurücken: Der Streamingdienst oder Onlineshop wie zum Beispiel Amazon oder iTunes zahlt in der Regel die GEMA-Gebühr für lizensiertes Material nach einem erfolgreichen Verkauf. Du als Anbieter bzw. Interpret des Songs oder Albums musst lediglich den/die Urheber und den Verlag nennen.

Hinsichtlich der Vergütung kann sich jeder selbst über den gültigen Tarif informieren: Wer Downloads anbietet findet unter VR OD 7 Informationen. Unter VR OD 8 werden Abonnements und Streaming tariflich geregelt und unter VR OD 9 greifen werbefinanzierte Dienste oder der sogenannte Streaming Basis Tarif. Infos findest du unter www.gema.de/ musiknutzer/musik-lizenzieren. Auch hier gilt, dass die großen legalen Musikdienste in der Regel über entsprechende Lizenzvereinbarung mit der GEMA verfügen. Zur Abrechnung übersenden die Dienste der GEMA dann regelmäßig Nutzungsmeldungen. Auf Basis der enthaltenen Informationen wird dann nach dem Grundsatz der nutzungsbezogenen Abrechnung – nach Download und Stream – abgerechnet.

     
  

MÜSSEN COVERVERSIONEN GENEHMIGT WERDEN?

Cover-Versionen können je nach Ausgestaltung im Einzelfall auch urheberrechtliche Bearbeitungen darstellen, die vor einer Veröffentlichung oder Verwertung die Einwilligung des jeweiligen Urhebers erfordern. Eine solche Einwilligung ist unabhängig von der Einräumung der Nutzungsrechte durch die GEMA und ist beim jeweiligen Urheber bzw. über dessen Musikverlag einzuholen.

  
     

 

Anwälte und die GEMA

Wie schon eingangs geschrieben, haben wir auch online recherchiert und sind hier auf interessante Thesen gestoßen. Beispielsweise soll die GEMA Anwälte beauftragt haben, unter anderem Musikerwebseiten zu durchforsten und die Seitenbetreiber bei Verstößen (zum Beispiel dem Bereitstellen GEMA-pflichtiger Songs ohne Lizenz) abzumahnen.

Laut GEMA entspricht dies nicht der Wahrheit: „Es gibt wohl Rechteinhaber (Labels, Interpreten, Komponisten, Textdichter, etc.), die direkt Rechtsanwälte beauftragen und damit beauftragen, der illegalen Nutzung Ihrer Werke nachzugehen. Die GEMA tut dies nicht! Als Treuhänderin der Musikurheber gehen wir Urheberrechtsverletzungen zwar nach, wir sprechen die Musiknutzer aber  immer direkt an. Abmahnkanzleien beschäftigen wir definitiv nicht!“

 

Eigene Songs online gestellt und bei der GEMA melden?

Die GEMA bietet (nicht nur für Webseitenbetreiber) einen Online-Tarifrechner. In unserem Rechenbeispiel müsste man für 1.000.000 Plays auf der Webseite ca. 360 Euro Lizenzgebühren bezahlen.
Die GEMA bietet (nicht nur für Webseitenbetreiber) einen Online-Tarifrechner. In unserem Rechenbeispiel müsste man für 1.000.000 Plays auf der Webseite ca. 360 Euro Lizenzgebühren bezahlen.

Auch das folgende Thema wird unter Musikern häufig und kontrovers thematisiert: Eigene Songs auf der eigenen Seite sollen angeblich ebenfalls meldepflichtig sein. Diese Aussage ist richtig und falsch zugleich! Denn zu der Aussage fehlt ein wichtiger Zusatz: Wenn ALLE Urheber eines Songs NICHT bei der GEMA als Mitglied angemeldet sind, gibt es logischerweise keine Meldepflicht bei der GEMA. Wenn aber in einer Band nur ein einziges GEMA-Mitglied ist und Urheber eines oder mehrerer Songs ist, wird das online gestellte Material automatisch meldepflichtig. Zwar müssen in diesem Fall die genutzten Musikwerke gemeldet werden, eine Vergütung wird von der GEMA jedoch ausschließlich für diejenigen Musikwerke bzw. Anteile an Musikwerken erhoben, die zum GEMA-Repertoire gehören. Sprich: Nur wenn in einem Song ein GEMA-Mitglied als Urheber (mit)gewirkt hat, müssen für diesen Song auch Lizenzgebühren gezahlt werden.

Hier das Statement der GEMA: „ Sollten an einem Song auch (Mit-)Urheber beteiligt sein, die GEMA-Mitglieder sind, müssen sie uns dies melden. Sollten sie hierzu unsicher sein, wäre es sinnvoll, vorab mit uns ins Gespräch zu kommen, damit wir die Rechtesituation klären können.“

In dem Zusammenhang fährt die GEMA fort: „Die GEMA nimmt die Rechte ihrer Mitglieder als Treuhänderin wahr. So haben Veranstalter öffentlicher Wiedergaben urheberrechtlich geschützter Werke vor der Veranstaltung die Einwilligung der Verwertungsgesellschaft einzuholen, welche die Nutzungsrechte an diesen Werken wahrnimmt (vgl. § 42 VGG), die öffentliche Zugänglichmachung (Online Nutzung) geschützter Werke, ist als öffentliche Wiedergabe auch meldepflichtig. Ist sich der Online-Nutzer allerdings sicher, dass GEMA-Repertoire nicht betroffen ist, wird die GEMA nicht tätig, da sie in diesem Fall eben keine Rechte wahrnimmt.“

Wer sich nicht sicher ist, kann jedoch gerne mit der GEMA per E-Mail in Kontakt treten um Unsicherheiten auszuräumen. Wenn eine Band oder ein sonstiger Urheber allerdings sicher ist, dass kein GEMA-Mitglied Miturheber ist, gibt es selbstverständlich auch keine Verpflichtung.

     
  

KOSTEN FÜR EIGENE SONGS AUF DER EIGENEN WEBSEITE?

Sofern eigene Musik (von GEMA-Mitgliedern) auf der eigenen Website zum Zwecke der Eigenpräsentation angeboten wird, können GEMA-Mitglieder hierfür eine kostenlose Lizenz über den Online-Lizenzshop der GEMA erwerben. Ergänzende Informationen hat die GEMA im dazugehörigen Infoblatt zusammengestellt.

  
     

 

YouTube und das Schaufenster auf die eigene Webseite

Rechtlich befindet man sich in einer Grauzone, was es das Einbetten von YouTube-Clips mit GEMA-pflichtigen Songs auf der eigenen Webseite anbelangt
Rechtlich befindet man sich in einer Grauzone, was es das Einbetten von YouTube-Clips mit GEMA-pflichtigen Songs auf der eigenen Webseite anbelangt

Und wenn wir schon dabei sind, behandeln wir abschließend noch das Thema, wie es mit Videos von YouTube und Co. aussieht. Jeder der eine Webseite betreibt und GEMA-pflichtige Songs in irgendeiner Form als YouTube-Clip bereitstellt und diese wiederum auf der eigenen Homepage einbettet, befindet sich derzeit in einer rechtlichen Grauzone.

Denn „im Zusammenhang mit dem Embedding (Einbetten) von Inhalten auf Drittseiten sind gegenwärtig noch nicht alle Rechtsfragen abschließend geklärt. Angesichts einer noch andauernden Prüfung der Rechtslage und der laufenden Verfahren zur gerichtlichen Klärung der Verantwortlichkeit von Plattformbetreibern bitten wir um Verständnis, dass wir zu den insoweit aufgeworfenen Fragen gegenwärtig nicht im Detail Stellung nehmen können“, äußert sich die GEMA dazu.

Laut dem folgenden YouTube-Video von Rechtsanwalt Christian Solmecke scheint es jedoch derzeit legal zu sein, YouTube-Videos ohne rechtliche Folgen auf der eigenen Webseite einzubinden. Er beruft sich hierbei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.

 

 

Falls du noch Fragen oder Anmerkungen zu dem Beitrag hast oder sonst etwas nicht klar sein sollte, poste einfach unten oder auf Facebook oder Twitter.

Letzte Änderung am Donnerstag, 23 Juni 2016 19:24
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de

9 Kommentare

  • Kommentar-Link BJ Freitag, 24 Juni 2016 15:17 gepostet von BJ

    @GEMA: Huch, da gab es wohl ein Missverständniss. Ich habe tatsächlich die Voranmeldung mit der Meldung der Titel verwechselt. Sorry.

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  • Kommentar-Link GEMA Freitag, 24 Juni 2016 14:27 gepostet von GEMA

    @BJ: Konzerte muss man immer vorab anmelden. Das hat sich auch nicht die GEMA ausgedacht, sondern ist im Gesetz verankert. Nach dem Konzert brauchen wir noch die Titellisten (Musikfolgen), damit wir die Lizenzeinnahmen auch an die Urheber der gespielten Werke weiterleiten können. Die Titellisten haben aber grundsätzlich nichts mit der Anmeldung zu tun, die muss, wie gesagt, vorab erfolgen - sonst kostet die Veranstaltung in der Regel das Doppelte und das muss ja nicht sein.

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  • Kommentar-Link GEMA Freitag, 24 Juni 2016 14:25 gepostet von GEMA

    @Dr. Soundbrei: Wir schreiben den Betreiber der Plattform an und teilen ihm mit, dass die Nutzung geschützter Musik lizenzpflichtig ist. Dann hat der Betreiber die Möglichkeit, einen Vertrag mit uns abzuschließen oder die Musiknutzung einzustellen. Sollte die Musik weiter ohne Lizenz genutzt werden, geht das Ganze seinen „normalen“ Lauf und damit auch letztlich zum Anwalt.

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  • Kommentar-Link Markus Beug-Rapp Donnerstag, 23 Juni 2016 19:06 gepostet von Markus Beug-Rapp

    @Marcel: Danke für den Link. Den werde ich gerne dem Beitrag anheften.

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  • Kommentar-Link Marcel Donnerstag, 23 Juni 2016 19:02 gepostet von Marcel

    Das mit der Grauzone von You Tube Clips scheint mir nicht ganz richtig zu sein. Denn im folgenden You Tube Video sagt Rechtsanwalt Solmecke, dass es laut europäischem Recht legal ist urheberrechtlich Geschützte Inhalte einzubinden, da dies wie ein normales verlinken gewertet wurde.
    https://www.youtube.com/watch?v=qtoyUlYpsaU

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  • Kommentar-Link Markus Beug-Rapp Donnerstag, 23 Juni 2016 16:23 gepostet von Markus Beug-Rapp

    @Dr. Soundbrei & BJ: Vielen Dank für die Fragen, die wir direkt an die GEMA weitergeleitet haben.

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  • Kommentar-Link Nico Donnerstag, 23 Juni 2016 16:20 gepostet von Nico

    sehr informativ der Beitrag. Und zeigt, dass der GEMA oft unrecht getan wird.

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  • Kommentar-Link BJ Donnerstag, 23 Juni 2016 16:12 gepostet von BJ

    Also ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der kleine Konzerte veranstaltet ;) Dieser „Veranstalter“ meldet GEMA-Songs wie so viele erst nach der Veranstaltung, also wenn er auch weiß, was tatsächlich gespielt wurde. Wenn ich den Beitrag richtig verstehe, muss ein Konzert jedoch vorher angemeldet werden. Stimmt das? Und wenn das stimmt, bin ich überzeugt, dass sehr viele gegen diese Auflage verstoßen.

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  • Kommentar-Link Dr. Soundbrei Mittwoch, 22 Juni 2016 18:27 gepostet von Dr. Soundbrei

    Jetzt bin ich etwas irritiert. Die GEMA sagt, sie setzt keine Anwälte ein bzw. tritt in persönlichen Kontakt mit dem „Schurken“ ;-) der was illegal online gestellt hat. Wie geht die GEMA dann vor, wenn sie auf eine Webseite stößt oder gestoßen wird, auf der z.B. Coversongs illegal zum Abspielen vorhanden sind? Gibt sie die Info dann an den Rechteinhaber weiter, so dass er selbst mit einem Anwalt tätig werden kann? Oder erteilt sie so eine Art Bußgeld? Oder beauftragt sie in dem Fall doch einen Anwalt?

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